Corona draußen: Wie ein Virus sehr plötzlich unseren Alltag veränderte

Coro­na hält die Welt in Atem

Auf einer Pres­se­kon­fe­renz der Baye­ri­schen Staats­kanz­lei vom 16. April 2020 eröff­ne­te Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder die Run­de mit den Wor­ten “Coro­na hält die Welt in Atem”, was ver­däch­tig nach dem Spiel­film “Bat­man hält die Welt in Atem” von 1966 klang.

Wäh­rend der Spiel­film, zumal aus heu­ti­ger Per­spek­ti­ve, put­zig-naiv wirkt, ist das Coro­na-Virus lei­der bit­te­rer Ernst. Mut­maß­lich erst­mals im Dezem­ber 2019 im chi­ne­si­schen Wuhan auf­ge­tre­ten, zeig­te das Virus, wie fra­gil unse­re glo­ba­li­sier­te Welt ist.

Wahr­schein­lich durch eine Fle­der­maus auf einem Wochen­markt über­tra­gen, brei­te­te Covid-19, so die offi­zi­el­le Bezeich­nung, bin­nen weni­ger Mona­te auf der gan­zen Welt aus.

Doch noch im März 2020 schien die Pan­de­mie in Deutsch­land in wei­ter Fer­ne. Zwar hör­te man in den Medi­en immer wie­der von neu­en Fäl­len, wobei die Mel­dun­gen dif­fus und ‑vor allem in der Rück­schau- son­der­bar weit weg wirk­ten. Noch am 10. März spiel­te der RB Leip­zig das Cham­pions-League-Vier­tel­fi­na­le gegen Tot­ten­ham Hot­spur vor über 40.000 Zuschau­ern, der All­tag schien weit­ge­hend nor­mal wei­ter­zu­lau­fen — nur waren bereits ers­te Zuschau­er bei eben jenem Fuß­ball­spiel infi­ziert — das Tücki­sche an die­sem Virus ist sei­ne lan­ge Inku­ba­ti­ons­zeit von rund zwei Wochen.

Dann über­schlu­gen sich die Ereig­nis­se: Zunächst wur­den Groß­ver­an­stal­tun­gen unter­sagt, Mit­te März folg­te dann bun­des­weit die Schlie­ßung aller Ein­zel­han­dels­ge­schäf­te, die nicht, wie es hieß, sys­tem­re­le­vant sei­en. Nur noch aus­ge­wähl­te Geschäf­te, die zur Ver­sor­gung mit Pro­duk­ten des täg­li­chen Bedarfs erfor­der­lich waren, durf­ten öff­nen: Super­märk­te, Apo­the­ken und kurio­ser­wei­se Baumärkte.

Mitarbeiter_Innen wur­den aus ihren Büros in die Heim­ar­beit geschickt, Mil­lio­nen Arbeit­neh­mer befan­den sich plötz­lich in staat­lich ali­men­tier­ter Kurz­ar­beit. Schu­len schlos­sen und Eltern fan­den sich plötz­lich in einem Span­nungs­feld aus Kin­der­be­tree­ung, Heim­schu­le und Heim­ar­beit wie­der. Tref­fen mit Freun­den und Ver­wand­ten wur­den unter­sagt, die Oster­ta­ge wür­den in die­sem Jahr ohne Fami­li­en­be­such aus­kom­men müssen. 

In schwie­ri­gen Zei­ten ver­mag Humor ein hilf­rei­ches Mit­tel sein

Spiel­plät­ze wur­den gesperrt, Kon­takt­sper­ren ver­hängt, der Auf­ent­halt im Frei­en beschränkt. Enkel konn­ten ihre Groß­el­tern nur noch per Sky­pe sehen, in eini­gen Tei­len der Welt kam in der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung die soge­nann­te Tria­ge zum Grei­fen: Ärz­te muss­ten in Anbe­tracht über­las­te­ter Inten­siv­sta­tio­nen ent­schei­den, wer behan­delt wür­de und damit eine Chan­ce auf Über­le­ben hät­te — und wer nicht.

Plötz­lich wur­de es sehr still im Land: das typi­sche Grund­rau­schen des All­tags, die Flug­zeu­ge im Him­mel, der Ver­kehr auf den Stra­ßen, lachen­de Men­schen in Eis­ca­fés und Bier­gär­ten gab es nicht mehr. Die Welt schien zeit­wei­se still zu stehen.

Vie­le vor allem klei­ne Geschäf­te und Dienst­leis­ter wur­den hart von der Kri­se getrof­fen. Auf­fal­lend waren die vie­len klei­nen Hin­weis­schil­der in den Läden, mit denen die Kund­schaft auf die behörd­lich ver­ord­ne­ten Schlie­ßun­gen hin­ge­wie­sen wurden.

Herz­er­wei­chend: Das Schau­fens­ter eines klei­nen Mode­ge­schäf­tes wird wei­ter­hin dekoriert.

Die meis­ten waren nüch­tern und sach­lich, eini­ge lus­tig, eini­ge char­mant. In der nach­fol­gen­den Gale­rie fin­dest du eine Aus­wahl eben die­ser Schil­der aus mei­nem Stadt­teil, Spa­zier­gän­ge sind wei­ter­hin erlaubt, das Foto­gra­fie­ren logi­scher­wei­se auch.

Die­se Schil­der bil­den für mich das unmit­tel­bars­te Gesicht die­ser Kri­se, deren Ende zum jet­zi­gen Zeit­punkt kei­nes­wegs abseh­bar ist.